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Scientology-Organisation

Die Scientology-Ideologie

Die Scientology-Organisation wurde in den frühen 1950er-Jahren in den USA von Lafayette Ron Hubbard gegründet; die zugehörige Ideologie hat er im Grundlagenwerk Dianetik zusammengetragen. Nach Hubbards Vorstellungen soll eine ausschließlich nach scientologischen Richtlinien funktionierende Welt geschaffen werden. Die Scientology-Organisation möchte an die Stelle des Demokratieprinzips und der Grundrechte ein auf Psycho-Technologien und der bedingungslosen Unterordnung des Einzelnen beruhendes totalitäres Herrschaftssystem unter scientologischer Führung setzen. Mit psycho-­ und sozialtechnischen Instrumenten will die Organisation nicht nur den einzelnen Menschen steu­ern, sondern durch Einflussnahme auf Staat, Politik und Wirtschaft auch in die Gesellschaft eindringen, um sie den scientologischen Zielen zu unterwerfen. Alle Nicht-Scientologen sind nach Hubbards Vorstellung eine potenzielle Gefahr für die Gesellschaft.

In Deutschland wird die Scientology-Organisation aufgrund eines Beschlusses der Innenministerkonferenz seit 1997 in mehreren Bundesländern durch den Verfassungsschutz beobachtet. Ausschlaggebend war der Bericht einer Arbeitsgruppe der Verfassungsschutzbehörden, der deutlich zeigte, dass Programm und Aktivitäten der Scientology-Organisation mit den Grundprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht vereinbar sind. Im März 2008 erklärte das Oberverwaltungsgericht Münster die Beobachtung durch die Verfassungsschutzbehörden für rechtens und wies eine Klage der Scientology-Organisation ab.
Scientology-Organisation in Bayern

Zahlen, Daten, Fakten

Weiterlesen im Verfassungsschutzbericht


Scientology-Organisation in Bayern

Ideologiemerkmale der Scientology-Organisation

Auch wenn sich die Scientology-Organisation nach außen harmlos gibt, so sind die zugrundeliegenden Ideologiefragmente und die Aktivitäten der Organisation nicht mit den Grundprinzipien der freiheitlichen demokrati­schen Grundordnung Deutschlands vereinbar. Zu diesen ideologischen Merkmalen und Zielen zählen:

  • Etablierung eines scientologischen Rechtssystems, in dem es keine Menschen-­ und Grund­rechte gibt
  • Missachtung der Menschenwürde und des Gleichheitsgrundsatzes, da sie nur der eigenen Anhängerschaft Rechte zugesteht
  • Missachtung des Grundrechts auf freie Meinungs­äußerung, da Kritik mit allen – auch illegalen – Mitteln unterdrückt wird
  • Aufbau eines totalitären Herrschaftssystems, das Gewalt und Willkürherrschaft miteinschließt
  • Unterwanderung der Wirtschaft, um die Einflusssphäre in der Gesellschaft zu vergrößern
Scientology-Organisation in Bayern

Erscheinungs- und Organisationsformen

Die Scientology-Organisation ist wie ein internationaler Wirtschaftskonzern organisiert und strukturiert. Alle Einrichtungen unterliegen trotz scheinbarer Selbstständigkeit der strikten Befehls-­ und Disziplinargewalt des zentralen Religious Technology Centers in Los Angeles, geführt von David Miscavige, Nachfolger des Scientology-Gründers Hubbard.

Der Kernbereich der Scientology-Organisation gliedert sich in drei organisatorische Säulen:

  • Im Zentrum der Organisationsstruktur steht der Church‑Bereich, der in vielen Ländern „Kirchen“, Missionen und für prominente Anhänger, die wegen ihrer Werbewirksamkeit besonders zuvorkommend behandelt werden, Celebrity Centers unterhält. Die „Kirchen“ werden intern als Orgs (Abkürzung für Organisationen) bezeichnet. Church-Dachverband der Scientology-Organisation in Deutschland ist die Scientology Kirche Deutschland e.V. (SKD), in Bayern existiert parallel dazu die Scientology Kirche Bayern e.V. (SKB). Beide haben ihren Sitz in München
  • WISE ist als zweite Säule ein franchiseähnlicher Zusammenschluss von Unter­nehmen, die durch Lizenzverträge an die Scientology-Organisation gebunden sind und nach deren Methoden arbeiten. WISE hat zum Ziel, die Wirt­schaft zu unterwandern und Gewinne durch den Verkauf von scientologischen Management­-Techniken zu erwirtschaften. WISE-Unternehmen sind in allen Branchen zu finden, wobei vor allem Unternehmens­- und Personalberatung, Coachingangebote und die Immobilienbranche im Fokus der Organisation stehen. WISE­-Unternehmen sind streng hierarchisch strukturiert und unterliegen den strengen Kontroll­-, Überwachungs­- und Statistikmechanis­men der Scientology-Organisation.
  • Mit der dritten Säule ABLE versucht die Scientology-Organisation, sich auch als soziale Orga­nisation darzustellen. Unter dem Dach von ABLE agieren u. a. die angebliche Hilfsorganisation für Drogenabhängige und Suchtkranke Narconon sowie mit Criminon ein „Rehabilitierungsprogramm für Straf­gefangene“ (beide in Deutschland nicht aktiv), die Kampagne Sag NEIN zu Drogen – Sag JA zum Leben, die Organisation Der Weg zum Glücklichsein, die Ehrenamtlichen Geistlichen und das Ausbildungsprogramm Applied Scholastics, das im Bereich der Kinder­ und Erwachsenenbildung aktiv ist. Auch die Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschen­rechte e. V. (KVPM) ist Teil von ABLE. Die KVPM diffamiert mit pauschaler und tendenziöser Kritik die medizinische Psychiatrie und reklamiert für sich, den einzig wahren Weg zur Heilung psychischer Krankheiten zu kennen.

Im Allgemeinen treten Scientology-Einrichtungen überwiegend offen auf und versuchen nicht, ihre Verbindung zur Organisation zu verschleiern. Daneben bedient sich die Scientology-Organisation allerdings auch verschiedener Neben­- und Tarnorganisationen, die auf den ersten Blick keinen Zusammenhang mit der Scientology-Organisation erkennen lassen. Unter dem Deckmantel dieser Organisationen wird versucht, sich in unterschiedliche gesellschaftliche und politische Themen einzubringen, um die scientologische Ideologie in die Bevölkerung zu tragen.

Die Scientology-Organisation setzt bewusst auf Tarnorganisationen, um auch Personen erreichen zu können, die ihr zunächst ablehnend gegenüberstehen. Ziel ist es, dauerhafte Kontakte zu Menschen aufzubauen, die zu einem späteren Zeitpunkt in die Hauptorganisation und das damit verbundene kostspielige Kurs­system eingegliedert werden können. Da Informationsstände von Neben- bzw. Tarnorganisationen nicht immer klar der Scientology-Organisation zuzuordnen sind, besteht hier grundsätzlich die Gefahr, dass die Bevölkerung diese Veranstaltungen nicht als Aktivitäten der Scientology-Organisation erkennt und unwissentlich auf scientologische Kontaktange­bote eingeht.

Tarnorganisationen der Scientology-Organisation finden sich vorranging im Bereich der vorgeblichen Hilfsorganisationen, auch Nachhilfeeinrichtungen zählen dazu. Folgende Tarnorganisationen und Initiativen sind der Scientology-Organisation zuzurechnen:

  • World Institute of Scientology Enterprises (WISE)
  • Assciation for Better Living and Education (ABLE)
  • Sag NEIN zu Drogen – Sag JA zum Leben e. V.
  • Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte (KVPM)/Citizens Commision on Human Rights – CCHR)
  • Jugend für Menschenrechte e. V. (Youth for Human Rights)
  • Der Weg zum Glücklichsein
  • Narconon
  • Criminon
  • Verlag New Era Publications International

Innerhalb des streng hierarchischen Aufbaus der Scientology-Organisation gibt es zahl­reiche Überwachungseinrichtungen und einen eigenen Geheim­dienst, das Office of Special Affairs (OSA). Das OSA soll Informationen über alle Personen sammeln und aus­werten, die der Scientology-Organisation kritisch oder ablehnend gegenüberstehen (z. B. Behördenangehörige), und diese Informationen als Druckmittel verwenden. Zu den OSA­-Methoden gehören Verfolgung, Belästigung und Schikane vermeintlicher Feinde, um diese zu zermürben, sowie Verleumdungskampagnen zum Zweck der öffentlichen Diskreditierung. Auch Öffentlichkeitsarbeit gehört zu den Aufgaben des OSA. Im scientologischen Sinne bedeutet dies, innerhalb der Gesellschaft eine positive Haltung gegenüber der Scientology-Organisation und eine negative Ein­stellung gegenüber Kritikerinnen und Kritikern zu schaffen. Die OSA-­Einheit für Deutschland (Department of Special Affairs – DSA) ist bei der Scientology Kirche Deutschland e. V. mit Sitz in München angesiedelt.

Scientology-Organisation in Bayern

Zeichen und Symbole

Die Scientology-Organisation nutzt spezielle und eigene Symbole und Slogans um sich in der Öffentlichkeit zu positionieren. Daneben existieren aber auch Organisationen, Logos und sonstige Erkennungszeichen, die eine Verbindung zur Scientology-Organisation nicht direkt erkennen lassen.

Zusammenstellung von Zeichen und Symbolen der Scientology-Organisation in der Broschüre Das System Scientology

Für tiefergehende Informationen

Der Verfassungs­schutzbericht

Im jährlich erscheinenden Verfassungsschutzbericht informiert das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz umfassend über extremistische Akteure, Aktivitäten und Handlungsfelder in Bayern. Neben Fakten und Zahlen finden sich im Verfassungsschutzbericht auch aktuelle Trends und Entwicklungen.

Ergänzend bietet das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz auch Broschüren, den Podcast Abgehört und eine Videoreihe zu unterschiedlichen Aufgabenbereichen und Themen an.

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Scientology-Organisation in Bayern

Podcast-Folgen zur Scientology-Organisation

Im Podcast Abgehört teilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz ihr Insider- und Spezialwissen und sprechen über die verschiedenen Aufgabenbereiche und Themengebiete des Verfassungsschutzes. Perspektivisch sollen im Podcast auch zur Scientology-Organisation Fragen und Antworten geliefert werden.

Mehr Podcast-Folgen
Prävention

Scientology-Organisation begegnen und verhindern

Die Motive für einen Ausstieg aus der Scientology-Organisation sind vielfältig und individuell. In den letzten Jahren verließen weltweit mehrere hochrangige Scientologen die Organisation. Teils distanzieren sich diese Aussteiger nur von der Scientology-Struktur, nicht aber von der Lehre Hubbards. Scientology-Mitglieder, die die Scientology-Lehre jedoch grundsätzlich anzweifeln, fällt der Ausstieg sehr schwer. Meist haben sie sich im Kurssystem der Organisation verfangen und stehen wegen der hohen Kursgebühren vor dem finanziellen Ruin. Ihre in den Sitzungen erzwungenen Aussagen über ihr Privatleben werden von der Scientology-Organisation als Druck- und Erpressungsmittel eingesetzt. In Bayern erhalten Betroffene Beratung und Unterstützung bei folgenden Beratungsstellen.

Kontakt zum Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz

poststelle@lfv.bayern.de

Polizeipräsidium München
Prävention & Opferschutz

089 2910-4444

Scientology-Krisenberatungsstelle beim Bayerischen Landesjugendamt

0180 1-000042

oder unter
www.blja.bayern.de

Evangelische Beratungsstelle für Weltanschauungsarbeit

089 538 868-617

oder unter
www.weltanschauungen.bayern.de

Erzbischöfliches Ordinariat
Fachbereich Sekten- und Weltanschauungsfragen

089 545813-0

oder unter
www.weltanschauungsfragen.de

Landeskirchlicher Beauftragter für Sekten-und Weltanschauungsfragen in der ev.-lutherischen Kirche in Bayern

089 5595-610

Weitere Aufgabenbereiche

Extremistische Bestrebungen und Phänomenbereiche

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